In direkter Nähe des Münchner Hauptbahnhof befindet sich das 25hours Hotel „The Royal Bavarian“. Das Haus ist mit öffentlichen Verkehrsmitteln aufgrund seiner direkten Bahnhofsnähe hervorragend zu erreichen, die Anreise mit dem Pkw gestaltet sich ein wenig komplizierter, da man zum einen in die Münchner Innenstadt einfahren muss und rund um den Bahnhof derzeit besonders viel gebaut wird und zum anderen, da das Hotel nicht über eine eigene Tiefgarage verfügt und man auf öffentliche Parkhäuser ausweichen muss.
Die 25hours Hotels gehören zur Accor Gruppe und sind eine Mischung aus Lifestylehotel mit Retro Charme und haben alle etwas durchaus Individuelles, auch wenn man viele Parallelen findet. Ich bin geschäftlich meistens schwer bepackt und im Anzug unterwegs und habe mich in 25hours Hotels häufig ein wenig fremd gefühlt. Das Duzen an der Rezeption habe ich mittlerweile seelisch verkraftet, es gehört ja auch derzeit zum guten Ton. Zwischen den vielen jungen Hipstern komme ich mir allerdings manchmal wirklich alt und verloren vor.
Nichtsdestotrotz versprühen die 25hours Hotels auch auf mich eine gewisse Anziehungskraft.
Die Rezeption des Hotels befindet sich im ersten Obergeschoss eines alten bayerischen Postgebäudes und ist über ein Treppenhaus oder mit dem Fahrstuhl zu erreichen. Im Erdgeschoss selber befindet sich das Restaurant das vermutlich jeder zweite Hotelgast zuerst betritt, bevor er den Weg zur Rezeption findet.
Die Rezeption ist dann auch typisch 25hours Hotel: Junge, mich dutzende Mitarbeiterinnen in einem stylischen Raum, der für eine Lobby viel zu klein ist. Aufenthaltsmöglichkeiten gibt es hier nicht, hierfür muss man auf, die an die Lobby grenzende, Bar ausweichen. Mein Empfang ist freundlich und ich freue mich über ein Zimmer Upgrade.
Bei 25hours sind die Zimmerkategorien an die amerikanischen Kleidungsgrößen angepasst. Ich hatte einen L Zimmer gebucht und darf nun ein XL Zimmer beziehen. Einer der großen Vorteile der XL Zimmer ist, dass es eine kostenfreie Minibar und ein Wasserkocher gibt, mit dem man sich Kaffee und Tee zubereiten kann. Aber da ich mich in einem besonders individuellen Hotel befinde, gibt es natürlich keinen herkömmlichen Pulverkaffee, sondern eine Kanne, in der ich mir meinen Kaffee selber brühen muss. Spannende Idee und gar nicht so einfach in der Umsetzung.
Mein Zimmer ist fast so ausgefallen wie ich es mir vorgestellt habe: Im Eingangsbereich liegt ein historisch aussehender Fliesenboden, der sich direkt in das offene Bad erstreckt, der Schlafbereich ist mit Parkettboden ausgestattet. Im Eingangsbereich gibt es eine schöne Sitzecke, die alternativ dazu auch als Kleiderstange verwendet werden kann. Das offene Badezimmer steht faktisch direkt im Zimmer und besteht aus einem großen Waschbecken und einer dahinterliegenden Regenschauer Dusche, die zumindest in Teilen räumlich getrennt ist. Zum Glück hat man auch bei der Toilette an eine Wand und eine Tür gedacht. Hygieneartikel gibt es bei 25hours nur aus Spendern, die bereitstehen.
Das Zimmer selber verfügt über ein großes Holzbett, mit einer historischen Rückenvertäfelung, einer großen Sitzbank und einer kleinen Arbeitsfläche, auf der eine funktionstüchtige Schreibmaschine mit Briefpapier steht. Wenn man mal Langeweile hat, kann man sich hier noch an historischen Artefakten bemühen.
Das Zimmer ist wirklich außergewöhnlich gestaltet und bietet eine gelungene Abwechslung im doch relativ eintönigen Hotelalltag.
Die Reinigungsleistung ist gut, auch wenn man feststellt, dass der Fliesenboden mal eine etwas gründlichere Reinigung vertragen könnte.
Im Hotel selber befindet sich auch das „neni“ Restaurant, das es in fast allen 25hours Hotels gibt. Serviert wird „orientalisch-ekleltische Küche“ mit relativ wenig Speisen auf der Karte, aber eine Auswahl, bei der für jeden etwas dabei ist. Die Restaurants der 25hours Hotels laufen nach meiner Kenntnis fast überall sehr gut und gelten als Hotspots der jeweiligen Städte. Die Preise sind durchaus akzeptabel.
Ich schlafe hervorragend in dem bequemen Bett und freue mich an den vielen kleinen lustigen Besonderheiten, die es zu entdecken gibt. Von spannenden Bildbänden über ein Kuscheltier, bis hin zu lustig bedruckten Kissen, ist hier wirklich alles zu finden.
Das Haus verfügt über einen kleinen Spa- Bereich, der im Prinzip aus einer Sauna und einem Ruheraum besteht. Ich traue mich mit meinen 46 Jahren dort nicht herein, weil die ernsthafte Gefahr besteht, dass sich dort nur junge und gut gebaute Menschen aufhalten. Stattdessen begebe ich mich in den Fitnessbereich, der ähnlich wie das Spa, seinen Namen nicht wirklich verdient. Ein Cross- Trainer und eine Reckwand kann man eigentlich nicht als Fitnessbereich bezeichnen.
Das Frühstück findet im Restaurant statt und versprüht einen sehr urbanen, stylischen Charakter. Es gibt richtig leckeren Kaffee, die Qualität der angebotenen Speisen wirkt sehr gut und die Auswahl ist in Ordnung. Der Service ist sehr gut.
Mein Check Out verläuft mittelmäßig, Herzlichkeit und echte Gastfreundschaft kann ich nicht erkennen. Wie es mir Gefallen hat, scheint für die Rezeptionistin auch nicht so spannend zu sein, zumindest fragt sie nicht danach.
Mein Fazit: Insbesondere für Bahnreisende bietet sich das 25hours Hotel „The Royal Bavarian“ an, eine Übernachtung gibt es ab 140€. Das Hotel ist für Vielreisende gewöhnungsbedürtig, bietet aber echten Erlebnischarakter.