Etwa 500 Meter entfernt von der Haltestelle Zoologischer Garten in Berlin befindet sich das Indigo Hotel Kudamm. Die Indigo Hotels gehören IHG Gruppe und sind in Deutschland nicht besonders häufig zu finden. In Deutschland gibt es 2 Häuser in Berlin und 1 in Düsseldorf. Ich kannte bereits Indigo Hotels aus Helsinki und Verona und war gespannt, wie sich das Indigo Hotel Berlin Kudamm schlägt. Das Haus befindet sich ein wenig außerhalb des touristischen Trubels in Berlin und ist mit öffentlichen Verkehrsmitteln hervorragend zu erreichen. Die Anreise mit dem Auto ist möglich, das Haus verfügt aber nicht über eine eigene Tiefgarage, sondern hat eine Kooperation mit einer, etwa hundert Meter entfernten, öffentlichen Garage. Dies ist natürlich nicht ganz so komfortabel wie eine Garage im Haus.
Die Hotels dieser Marke sollen einzigartig sein und sind nicht einer stringenten Markenoptik unterworfen, so dass sie tatsächlich jedes Mal ein völlig neues Hotelerlebnis bieten. Das kann große Vorteile, aber natürlich auch Nachteile bieten. Als Geschäftsreisender schätze ich eine gewisse Verlässlichkeit bei Hotelketten. Keine bösen Überraschungen, bekannte Matratzen und das Wissen über bestimmte Hotelservices haben ihren Charme. Auf der anderen Seite bieten nicht zu standardisierte Häuser natürlich auch Vorteile beim Entdecken, neu erleben und sich überraschen lassen.
Meine erste Überraschung im Indigo Kudamm ist die Lobby. Diese sieht in echt leider noch deutlich mickriger aus als auf den Bildern im Internet. Ich habe während meines Aufenthaltes einen sehr ordentlichen Preis für das Zimmer bezahlt, insgesamt ist Übernachten in Berlin an diesem Tag sehr teuer. Die Lobby entspricht aber gar nicht meinen Erwartungen die ich an das Haus gestellt habe. Die Optik entspricht den späten 80er Jahren, wirklich schöne Aufenthaltsflächen suche ich hier vergeblich. Mein Empfang ist aber wirklich sehr freundlich und charmant. Die mir mitgeteilten Hoteldetails lassen mich zwar nicht vor Freude springen, aber zumindest werde ich vernünftig informiert. Das Hotel Restaurant ist erst ab 18:00 Uhr geöffnet, vorher gibt es nichts zu essen, auch keine kleinen Snacks. Noch nicht einmal einen Kiosk, an dem man zumindest einen Schokoriegel kaufen könnte, ist vorhanden.
Mein Zimmer befindet sich in der 4. Etage, ein Upgrade ist aufgrund der hohen Buchungslage nicht möglich. Mit einem schicken Aufzug, indem bei betreten Musik gespielt wird, fahre ich auf meine Etage und stelle zuerst fest, dass der Teppichboden im Flur ziemlich verschmutzt ist. Es handelt sich hierbei aber nicht um aktuellen Schmutz, sondern hier ist im Laufe der Jahre wohl einiges an Flüssigkeit auf den Boden gekommen, deren Sputen sich nicht mehr vollständig entfernen lassen.
Beim Betreten des Zimmers stelle ich fest, dass mein Zimmer erstaunlich klein ist. Es verfügt über ein Kingsize Bett, eine kleine Minibar, eine kleine Arbeitsfläche und einen für das Zimmer verhältnismäßig großes Badezimmer. Das Design ist modern und hat etwas von Ikea. Mir gefällt die Komposition insgesamt ganz gut, nichtsdestotrotz sieht es alles sehr einfach aus. Das Badezimmer gefällt mir richtig gut, es verfügt über einen schönen Waschtisch mit ausreichend Ablagefläche und über eine große bodentiefe Dusche. Die Pflegeprodukte in Wandspendern riechen ganz hervorragend, auch wenn ich Wandspender aus hygienischen Gründen nicht so gerne mag.
Auf meinem Tisch steht ein wenig Obst und ein Corny- Riegel mit einem kleinen Begrüßungsbrief der Handgeschrieben ist, über diese Aufmerksamkeit freue ich mich besonders. Was mir sehr negativ auffällt ist, das es nur 2 Steckdosen an den Nachttischschränken gibt, an der Arbeitsfläche, wo typischerweise ein Laptop aufgebaut wird, ist leider keine Steckdose weit und breit vorhanden. Das macht das Arbeiten etwas komplizierter, da zwischendurch Pause zum Aufladen gemacht werden muss.
Zu dem Stuhl an der Arbeitsfläche befindet sich noch ein kleiner Sessel im Raum, was die verfügbaren Bewegungsflächen drastisch reduziert. Diese sind ja ohnehin sehr knapp bemessen und das Hotelzimmer ist so klein, das es als Arbeitsplatz aufgrund der Arbeitsstättenverordnung nicht zulässig wäre.
Die Reinigungsleistung im Zimmer ist ganz hervorragend, ich kann keinerlei Defizite feststellen. Selbst die Kaffeemaschine, die sich im Zimmer befindet, ist hervorragend gereinigt.
Das Hotel verfügt über einen kleinen Fitnessbereich, der sehr spartanisch eingerichtet ist, aber alle Geräte beinhaltet die für ein kleines Training notwendig sind.
Am Abend möchte ich gerne im Hotel Restaurant etwas essen, muss aber zu meinem Entsetzen feststellen, das ist nichts gibt. Es ist zwar ein Mitarbeiter vom Restaurant anwesend, dieser weiß aber nicht, was es zu essen gibt und wie er dies zubereiten könnte. Ziemlich enttäuscht verlasse ich das Haus um wenige Meter weiter hervorragend koreanisch zu essen.
Auf der kleinen Terrasse des Hotels nehme ich abends noch eine Cola für 5,50€ aus der Flasche zu mir und verziehe mich dann in mein kleines aber feines Reich.
Ich schlafe ziemlich gut trotz Straßenlage des Zimmers und freue mich am nächsten Morgen auf das Frühstück. Ich habe ziemlich Glück mit dem Nachbarn in meinem Zimmer, da das Haus sehr hellhörig ist. Hätte ich eine Gruppe grölender Männer auf einem Junggesellenabschied im Nachbarzimmer gehabt, wäre meine Nacht gelaufen gewesen.
Das Frühstück ist übersichtlich, im Großen und Ganzen ist aber alles vorhanden was man braucht. Aus der Küche kann man sich um Omlette und Pancakes bestellen, was das kleine Buffet ein wenig aufwertet. Der Service beim Frühstück funktioniert aber sehr gut.
Mein Check out läuft völlig problemfrei.
Fazit: Eine Übernachtung im Indigo Hotel Berlin Kudamm gibt es bei schwacher Buchungslage ab etwa 90€ pro Nacht, bei starker Buchungslage sind es auch gerne mal 200€. Das Hotel bietet sehr individuelle und schnuckelige Zimmer, die Reinigungsleistung ist hervorragend.
Leider verfügt das Hotel über keine weiteren Annehmlichkeiten wie ein funktionierendes Restaurant. Ein eigener Parkplatz ist nicht vorhanden.