Bremen ist eine außergewöhnliche Stadt: Ich kenne keinen Ort in Deutschland, über denen die Meinungen so auseinander gehen. Ein Teil meiner Bekannten findet Bremen wunderschön, der andere findet es grauenhaft. Da lobe ich mir Wolfsburg, hier sind sich alle einig, dass es grauenhaft ist. Bei Lübeck ist es das genaue Gegenteil.
Am Hauptbahnhof von Bremen liegt das Courtyard by Marriott Hotel. Das Hotel befindet sich zum Teil in einem ehemaligen Koffer- Lager des berühmten Unternehmens Lloyd, von dem damals die Menschen zu ihrer Übersiedlung nach Amerika aufbrachen. Die Bahnverbindung vom Bremer Hauptbahnhof führte sie direkt nach Bremerhaven, wo das Schiff für die große Überfahrt auf sie wartete. An diesem historischen Altbau sind neue Gebäudeteile angebaut worden, in denen das Hotel ebenfalls beheimatet ist. Ich reise in Bremen mit dem Auto an, aufgrund von Baustellen und Straßensperrungen ist die Anreise gar nicht so einfach. Im Normalfall dürfte dies aber deutlich leichter vonstattengehen. Die Anreise mit der Bahn ist völlig unproblematisch, da sich das Hotel direkt am Hauptbahnhof befindet. Will man zu Fuß in die Bremer Innenstadt, muss man nur einmal durch den Hauptbahnhof laufen. Das Hotel verfügt über keine Tiefgarage, hat aber im Außenbereich einige Stellplätze. Bei besonders hoher Auslastung wird es hier vermutlich schnell eng und man muss auf ein öffentliches Parkhaus ausreichen.
Mein Empfang im Hotel ist durchwachsen: Schon beim Betreten der wirklich großen und geräumigen Lobby, die sehr elegant eingerichtet ist und ein schöner Platz zum Verweilen zu sein scheint, fällt mir auf, wie gestresst die Mitarbeiterin an der Rezeption ist. Ich versuche, mit all dem mir zur Verfügung stehenden Charme ein gutes Klima zu schaffen und bin damit aber gnadenlos erfolglos. Der Check-In ist kurz knapp und fast schon unfreundlich. Während meines Check-Ins kommt ein bereits eingecheckter Gast an die Rezeption und merkt an, dass er für vier Personen im Zimmer nur zwei Handtücher habe. Die Damen unterbricht mein Check-In Vorgang und holt aus einem hinteren Raum die zwei Handtücher für den Gast. Dieser bittet noch darum, dass man ihm noch ein wenig Duschgel mitgibt, da das auf dem Zimmer vorhandene Duschgel, für vier Personen nicht ausreichend ist. Etwas angesäuert verschwindet die Dame wieder im Hinterzimmer und kommt mit leeren Händen zurück. Sie teilt mit, dass sie jetzt kein Duschgel dahabe und bittet darum, morgen früh erneut bei der Rezeption nachzufragen. Ich schaue mir das Schauspiel an und bemitleide alle Beteiligten der Situation: Den Gast, weil er ein ordentliches Hotel gebucht hat und nun einen Service auf unterstem Niveau erhält und die Dame, weil die Rahmenbedingungen, in denen sie sich heute Abend bewegt, augenscheinlich so schwierig sind, dass es ihr nahezu unmöglich ist, ein wirklich guten Service anbieten zu können.
Nachdem ich meine Zimmerschlüssel erhalten habe, buche ich noch schnell einen Slot für den nächsten Morgen, in dem ich in den Fitnessbereich gehen kann und meinen Frühstücks- Slot.
Auf dem Hotelflur orte ich mein Zimmer und mir graut Böses, als ich sehe, dass direkt neben meinem Zimmer eine Bauplane, einen weiteren Flur abschottet. Baumaßnahmen in Hotels sind für Gäste selten angenehmen. Ich begutachte kurz die Trennung zwischen Baubereich und vermieteten Zimmern und Stelle erst einmal fest, dass die Abtrennung hier wirklich gut gemacht ist. In einem Radisson Hotel in Düsseldorf hatte ich da vor einigen Jahren etwas ganz Anderes erlebt.
Mein Zimmer ist relativ klein aber wirklich schön gestaltet: Typisch für Hotels der Marriott Kette gibt es viel dunkles Holz, warmes Licht und ein großes Kingsize-Bett. Es gibt einen Arbeitsplatz mit einem brauchbaren Stuhl und ein Sessel mit einem Beistelltisch. Das Badezimmer ist zeitlos und schön gestaltet. Bei der Pflegeprodukten sind leider nicht meine geliebten Courtyard Produkte vorhanden, hier hat sich irgendein anderes Produkt eingeschlichen. Dafür fällt mir direkt das außergewöhnliche Toilettenpapier auf, dass ich aus teuren 5-Sterne Häusern kenne. An dieser Stelle hat man augenscheinlich keine Kosten und Mühen gescheut, damit die Gäste sich auch nach der Benutzung der Toilette rundum gut behandelt fühlen. Auf den ersten Blick sieht mein Zimmer gut gereinigt aus, nachdem ich die Bettdecke entferne und mir das Laken anzuschauen stelle ich jedoch fest, dass es entweder Schwierigkeiten bei der Wäscherei mit dem Bügeln gab oder das Bett schon einmal benutzt wurde. Zumindest wirft das Bettlaken merkwürdige Falten, die auf den ersten Blick nach Nutzung aussehen.
Da ich bereits geduscht und bettfertig bin und ich mir kaum vorstellen kann, dass hier der Roomservice das Bettlaken einfach noch mal gerade gezogen hat, entscheide ich mich gegen die Reklamation. Da sich um ein Kingsize-Bett handelt nutze ich einfach die andere Seite und hoffe, dass ich mit meiner Spekulation falsch lag.
Das Hotel verfügt über einen Fitnessbereich, der über einige Cardiogeräte verfügt, für Kraftsportler sind lediglich Hanteln und eine Bank vorhanden.
Das Frühstücken im Courtyard by Marriott Hotels gehört nicht zu meinen größten Hobbys, da ich das Frühstück immer sehr durchschnittlich finde. Auch in diesem Haus bestätigt sich der Eindruck: Relativ einfacher Speisen, relativ einfach präsentiert und ein mittelmäßiger Service. Der Frühstücksraum ist brechend voll und das Personal kommt mit der Bedienung kaum hinterher. Der Checkout verläuft ordentlich, die Dame fragt ob mit dem Aufenthalt alles in Ordnung gewesen sei und ich äußere nochmals meinen Verdacht über ein möglicherweise doppelt verwendetes Bettlaken. Sie zeigt sich entrüstet und verspricht hoch und heilig, die Situation im Auge zu behalten.
Mein Fazit: Eine Übernachtung im Courtyard by Marriott Bremen gibt es ab etwa 100 €. Das Hotel befindet sich in einem historischen Gebäude und ist toll gelegen. Die Zimmer sind nicht mehr ganz taufrisch aber in Ordnung. Die Reinigungsqualität ist (hoffentlich) gut.