Gepflegter Messeluxus mit Schwächen

Gegen 20 Uhr erreiche ich nach einer langen Autofahrt das Radisson Hotel Hannover. Das Hotel ist relativ groß und liegt verkehrsgünstig an der Messe Hannover. Für meinen morgigen Termin in Lehrte ist das Hotel ideal gelegen und ich freue mich auf einen angenehmen Aufenthalt und einen guten Schlaf. Der Mitarbeiter an der Rezeption begrüßt mich mit einem halbwegs freundlichen „Guten Abend“ und checkt mich ein. Beim Eintreffen in meinem Zimmer stelle ich fest, dass, anders als gebucht, nicht ein Kingsize-Bett in meinem Zimmer steht, sondern zwei Einzelbetten. An sich ist das überhaupt nicht schlimm, ich ärgere mich jedoch darüber, da beim Buchungsvorgang extra nach den gewünschten Betten gefragt wurde und ich ein Kingsize-Bett gewählt hatte. Da mir meine Mutter beigebracht hat, Dinge, die nicht richtig sind, umgehend anzusprechen, tue ich das. Bevor ich meinen Koffer öffne, rufe ich an der Rezeption an und weise darauf hin, dass das falsche Bett in meinem Zimmer steht. Die Damen an der Rezeption teilt mir telefonisch mit, dass ich Recht habe und ein Kingsize-Bett gebucht habe und sie jetzt nachschaut, ob sie noch ein anderes Zimmer für mich frei habe. Das sollte so sein, schließlich war es ja auch so gebucht. Mit großem Enthusiasmus teilt sie mir anschließend mit, dass sie für mich ein Zimmer gefunden habe und bittet mich zur Rezeption zu kommen, um eine neue Zimmerkarte zu erhalten.

Lustig ist an diesem Tag, dass dem Radisson Hotel in Hannover die Papiertäschchen für die Zimmerkarten ausgegangen sind und die Zimmernummer nun auf gelbe Post-It´s geschrieben und auf die Zimmer Karte geklebt werden. Ich laufe also mit meinem großen Koffer zurück zur Rezeption und erhalte dort eine neue Zimmerkarte, diesmal in einem anderen Stockwerk. Nachdem ich den Weg zu meinem neuen Zimmer hinter mich gebracht habe, stehe ich vor der Tür und muss feststellen, dass meine Zimmerkarte leider nicht funktioniert. Ich befürchte, dass irgendetwas nicht richtig geklappt hat und gehe nach mehreren Versuchen wieder zurück zur Rezeption. Leider bin ich nun ein wenig genervt und bereue, dass ich immer so viele Sachen mit mir rumschleppe. Mir ist es, trotz unzähliger Dienstreisen, immer noch nicht gelungen, meinen Kram ordentlich einzupacken. Nach wenigen Minuten, vielen Metern und hunderten verbrannten Kalorien habe ich eine neue Zimmerkarte und kann die Reise zu meinem Zimmer hoffentlich heute zum letzten Mal antreten. Wer etwas dreimal versucht wird erfolgreich sein. Nach dem erfolgreichen Öffnen meiner Zimmertür stelle ich fest, dass ich auch ein schönes großes Bett habe und insgesamt ein wirklich schönes Zimmer. Das Zimmer ist modern eingerichtet und entspricht meinen Erwartungen an ein 4 Sterne Radisson Blu Hotel. Es gibt eine Kaffeemaschine und ein Wasserkocher, das Badezimmer bietet allerlei Pflegeprodukte, es gibt einen großen Fernseher (den ich ohnehin nie benutze) und sogar einen Sessel, um sich gemütlich hinzusetzen. Ich ziehe mich um, da ich nach der vielen Fahrerei noch ein wenig Sport machen möchte. Bei meinem letzten Aufenthalt im Radisson Blu Hotel Hannover hatte ich den hoteleigenen Fitnessbereich genutzt. Der Fitnessraum ist allerdings sehr klein und verfügt nur über ein Laufband, das bei der derzeitigen Freude der Menschen am Laufen auch dafür sorgt, dass das Laufband faktisch abends immer überlastet ist. Ich entscheide mich also das Umfeld des Hotels laufend zu erkunden und starte einen halbstündigen Lauf durch den Abend von Hannover. Bei meinem Lauf denke ich darüber nach, warum man sich in manchen Hotels sofort sehr wohlfühlt und in anderen nicht. Ich persönlich komme für mich zu dem Schluss, dass dies wenig mit den vergebenen Sternen zu tun hat, auch nicht immer mit der Zimmereinrichtung oder den meist tollen Badezimmern.

Ich denke, ich fühle mich immer dann besonders wohl, wenn ich am Empfang herzlich und freundlich begrüßt werde. Hierbei geht es mir nicht um eine unterwürfige Freundlichkeit, sondern um Menschen, die tatsächlich Freude daran haben, als Gastgeber tätig zu sein. Für mich ist es immer ein besonderes Gefühl in einem Sofitel Hotel einzuchecken. Dort habe ich immer das Gefühl, als Gast wirklich willkommen zu sein. Auch in anderen Hotels habe ich dieses Gefühl bereits erlebt. Ganz besonders erinnere ich mich an einen tollen Aufenthalt im Crowne Plaza in Hamburg, wo eine wirklich engagierte und freundliche Rezeptionistin den Aufenthalt zu einem Erlebnis gemacht hat. Hiervon ist das Radisson Hannover weit entfernt. Die Mitarbeiter an der Rezeption erwecken nicht den Eindruck, dass sie gute Gastgeber sein wollten. Sie spulen ein professionelles Programm ab, dies ist während meiner Aufenthalte dort zumindest mein Gefühl gewesen. Sollte ich nun einem Mitarbeiter diesen Willen zum „Gastgeber- sein“ zu Unrecht abgesprochen haben, bitte ich um Entschuldigung. Ich kann mir vorstellen, dass die Arbeit in einem Messehotel auch eine besondere Herausforderung ist. Denn dort kommen viele Gäste aus verschiedenen Ländern mit sehr unterschiedlichen Erwartungen hin. Und es gibt hohe Buchungszahlen an Messetagen und Flauten in der Zwischenzeit.

Dennoch stelle ich mir die Frage, ob es nicht trotzdem denkbar ist, dass in einem Hotel, das 180 € für eine Übernachtung abrechnet, ein wenig mehr Freundlichkeit anzubringen.

Die Fragestellung wie viel ein Hotel kosten darf, kann sich ja an verschiedenen Dingen bemerkbar machen. Sicher spielt die Qualität der Einrichtung, das Design, die Lage und die Qualität des Restaurants eine Rolle, aber für mich bleibt das Entscheidende, ob der Gast das Gefühl hatte, dass er willkommen war und sich wohlfühlen konnte. Dies gelingt aus meiner Sicht nur mit einer herzlichen Begrüßung. Hiervon ist man leider in diesem Radisson weit entfernt. Das ist insbesondere deshalb tragisch, da das Hotel von seiner Ausstattung, seiner Lage und seines Designs sicherlich ganz weit vorne in Hannover mitspielen könnte.

Die Rahmenbedingungen im Radisson Hannover sind perfekt. Jetzt müsste die Führungsebene es nur noch hinbekommen, dass dieses Haus nicht nur schön, sondern auch ein herzlicher Gastgeber ist.

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