Toller Ausblick und schlechter Geruch

Viel zentraler als das Radisson Hotel in Mannheim kann ein Hotel gar nicht liegen. Angegliedert an ein Einkaufszentrum befindet sich das Radisson Hotel Mannheim mitten in der City. Die Straßennamen in der Innenstadt sind in Mannheim nach dem zweiten Weltkrieg ja etwas kurios geraten: Die Adresse des Hotels lautet daher auch Q7. Das Hotel verfügt in dem öffentlichen Parkhaus über einen separaten Teil, der aber nicht von dem öffentlichen Teil der Tiefgarage abgegrenzt ist. Wer also mit Bentley oder Ferrari anreist, sollte sich im Vorfeld um eine gute Parkmöglichkeit kümmern. Von der Tiefgarage geht es mit dem Aufzug in die für ein Radisson Hotel erstaunlich kleine Lobby. Die Lobby ist zwar sehr hoch, die Grundfläche aber tatsächlich für ein Radisson Hotel sehr klein. Der Empfang bei Radisson ist für mich einer der größten Defizite der Hotelkette: Die Hotels sind in der Regel mit ihren vielen Tagungsräumen und der hohen Zimmeranzahl oder der Nähe zu großen Messehallen, wie in Hannover oder Frankfurt, gefühlt darauf ausgelegt, hunderte von Check-In und Check-Outs jeden Tag zu bewältigen. Persönliche Nähe, Gastfreundschaft und ein herzliches Willkommen gehen dabei völlig verloren. Meine Erfahrung beim Check-in im Radisson Hotels setzt sich auch hier in Mannheim ununterbrochen fort: Die Mitarbeiter wirken freundlich, mit einem leichten Hang zur Überheblichkeit und sehr unterkühlt. Es wirkt immer sehr professionell und durchorganisiert, wie der Empfang vonstattengeht. Auch bei der Servicequalität wäre hier noch Luft nach oben: So sind für meinen Besuch diverse Formulare auszufüllen, meine Daten liegen aber über das Rewardsprogramm auf anderen Formblättern schon vor. Wäre es nicht für den Gast eine schöne Überraschung, wenn er nur noch unterschreiben müsste? Seine Adresse auf zwei oder drei Formulare zu schreiben ist lästig und im Zeitalter der Digitalisierung vielleicht auch nicht mehr nötig. In einem anderen Aufzug geht es anschließend zu den Zimmern. Da ich noch ein paar Sachen im Auto habe hoffe ich, dass ich nicht zu weit entfernt vom zweiten, separaten Aufzug, der die Lobby mit den Zimmern verbindet, untergebracht bin. Zu meiner Enttäuschung habe ich viele Meter zu gehen. Die Hotelflure sind sehr lang und führen über verschiedene Ecken. Nach gefühlten 70 Metern bin ich in meinem Zimmer angekommen. Das Hotel ist noch nicht alt und daher in einem wirklich schönen Zustand. Alles ist neu und schick designt. Das trifft auch auf meinem Zimmer zu: Helle Holztöne, ein schönes großes Kingsize-Bett und zwei Bilder an der Wand sehen sehr elegant aus, schaffen aber wenig Behaglichkeit. Das Beleuchtungskonzept mit den etwas schummrig wirkenden Lampen und ein grauer Sessel mit Fußteil machen das ganze schon etwas gemütlicher. Das Zimmer verfügt über ein offenes Badezimmer, das abgetrennt durch eine Glaswand, mitten im Zimmer ist. Die Möglichkeit einen Vorhang zu zuziehen oder Jalousien runterzulassen besteht nicht. Glücklicherweise ist wenigstens die Toilette in einem separaten Raum untergebracht. Wer einen starken Hang zur Intimsphäre hat, sollte dieses Hotel also nicht zu zweit buchen. Die Dusche ist 1,20 Meter vom Bett entfernt und mit einer etwa 2 x 2 Meter großen durchsichtigen Scheibe ausgestattet. Wir hier duscht kann sich vor den anderen Personen im Zimmer unmöglich verstecken. Das Bett ist genau richtig hart oder genau richtig weich. Es stehen zwei verschiedene Kissen zur Auswahl. Das Zimmer verfügt über die Möglichkeit, Wasser aufzukochen und hat eine Nespresso Kaffeemaschine. Mit immerhin sechs Kapseln ist die Kaffeemaschine wirklich gut bestückt. Das leckere Radisson Duschgel ist leider nicht mehr in einer kleinen Verpackungseinheit vorhanden, sondern hängt jetzt in einem Großspender an der Wand. Schade eigentlich, hatte ich doch immer den Rest des Duschgels mit nach Hause genommen, weil es mir so gut gefällt. Leider hängt im Zimmer ein unangenehmer Geruch, den ich wirklich stark wahrnehme. Leider kann ich die Fenster nicht öffnen. Zu meinem Entsetzen muss ich feststellen, dass während meines Besuches der Fitness- und Spabereich geschlossen ist. Auf Nachfrage bei der Rezeption erklärt man mir, dass dies mit den Coronabeschränkungen und insbesondere den intensiven Kontrollen der Stadt Mannheim zu tun habe. Eine Nacht vorher habe ich in einem anderen Hotel in Mannheim übernachtet und konnte dort erleben, wie man mit guter Organisation auch in schwierigen Zeiten Angebote für die Gäste bereithalten kann. Anscheinend ist dem Radisson Hotel Mannheim der Weg aber zu aufwendig eine Leistung anzubieten, die für viele Gäste eine besondere Bedeutung hat. Für mich zum Beispiel ist nach einem Fußbruch ein regelmäßiges Training wichtig zur Genesung. Meine Vermutung ist auch, dass es sich nicht um unerfüllbare Auflagen der Stadt Mannheim handelt, sondern dass es den Verantwortlichen schlicht und ergreifend zu viel Arbeit ist, hier eine Lösung zu finden, die für die Gäste unter Einhaltung der Schutzmaßnahmen passabel wäre. Dies ist mein Problem bei riesigen Hotels: Auf der Internetseite steht immer viel über Kundenorientierung, in der Praxis müssen einfach Alle in die vorgefertigten Prozessabläufe passen – ansonsten wird es schwierig. Aus meiner Sicht ist das der größte Vorteil von inhabergeführten Hotels: Echte Herzlichkeit, am Gast orientierte Servicequalität und das individuelle Eingehen auf Gästebedürfnisse. So können auch mittelständische Betriebe sorglos den großen Hotelkonzern gegenübertreten. Für meine Übernachtung im Radisson Hotel Mannheim werde ich mit Frühstück und Parken etwa 200 € ausgeben. Für ein paar Euro mehr hätte ich in Kameha Hotel in Bonn außergewöhnlichen Service und mindestens gleichschöne Zimmer erlebt. Nicht Standard, nicht in einem Prozessdiagramm festgeschrieben, sondern ehrlicher und herzlicher Service. Das Radisson gilt in Mannheim als eins der besten Hotels der Stadt. Um diese Position zu verteidigen, ist es aus meiner Sicht erforderlich, im Service noch etwas draufzulegen. Dem Gast einen guten Aufenthalt bereiten, halte ich für die primäre Aufgabe des Hotelmanagements. Die Voraussetzungen für tolle Erlebnisse sind im Radisson Mannheim vorhanden: Tolle Zimmer, eine tolle Bar, gutes Frühstück und technischen moderne Ausstattung. Wenn es das Haus jetzt noch schafft, einen dem Preis angemessenen Service zu bieten, kann das Haus auch in den nächsten Jahren zu den besten Hotels der Stadt gehören. Ein großer Name und ein schönes Design allein reichen in der heutigen Zeit einfach nicht mehr aus.

Nicht unerwähnt bleiben soll die wirklich tolle Roof-Top Bar im obersten Stock des Hauses. Leckere Snacks und erfrischende Drinks mit Blick auf die Stadt, der Besuch der Bar lohnt sich auf jeden Fall. Mein Fazit: Das Radisson in Mannheim ist sehr zentral gelegen und baulich ein wunderschönes Hotel. Mit einem Übernachtungspreis ab etwa 120 € zuzüglich Tiefgarage ist es nicht günstig. Beim Service muss Radisson auch in Mannheim noch einen drauflegen.

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