Fast schon unscheinbar gibt es eine Hotelperle mitten in Hamburg. Direkt am berüchtigten Hamburger Hauptbahnhof gelegen, befindet sich das Hotel Reichshof Curio Collection by Hilton. Die Umgebung des Hotels ist schon etwas skurril: Der Hamburger Hauptbahnhof ist als Kriminalitätsschwerpunkt bekannt und grenzt an das berüchtigte St. Georg an. Hier befindet sich ein außergewöhnliches Hilton Hotel. Die Anreise mit der Bahn ist aufgrund der Lage hervorragend. Die Anreise mit dem Auto gestaltet sich ein wenig schwierig, da das Hotel nicht über eine eigene Tiefgarage verfügt. Stattdessen muss in einer öffentlichen Tiefgarage, die dem Hauptbahnhof zuzuordnen ist, geparkt werden. Etwa 80 Meter Strecke sind dann noch bis zum Hotel zu absolvieren. In dieser Gegend ist diese Strecke vor allem abends für ängstliche Menschen durchaus eine Herausforderung. Betritt man aber das Hotel, eröffnet sich ein Traum von einer Lobby: Alter Marmor, aufwendige Stuckarbeiten und andere klassische Elemente werden von modernen Kronleuchtern, schönen Bildern und einer stilvollen Bar aufgelockert. Gemütliche und umfangreiche Sitzmöglichkeiten machen einen sehr einladenden Eindruck. Der Empfang ist professionell und sehr stolz. Vielleicht habe ich ihn sogar als ein wenig zu stolz empfunden. Damit meine ich, dass manche Menschen die Marke, die sie vertreten, für so besonders und hochwertig halten, dass ein Gefühl der Herabsetzung beim Gast aufkommt. Vielleicht waren Sie einmal schlecht gekleidet in einem Mercedes- oder BMW-Autohaus, dann wissen Sie, was ich meine. Wenn man das Hotel von außen betrachtet hat und dann diese riesige Lobby sieht, kommt unweigerlich die Frage auf, wo denn die Zimmer eigentlich noch Platz hätten. Das Haus sieht von außen nicht wirklich groß aus. Wenn man dann allerdings mit den Aufzügen auf die einzelnen Etagen fährt, stellt man fest, dass es unheimlich viele Anbauten geben muss. Ein weit verzweigtes Flursystem bringt einen auch in die letzten Winkel dieses Hauses. Ich habe bereits mehrere Aufenthalte in diesem Hotel gehabt und kenne daher verschiedene Zimmerkategorien. Insgesamt sind die Zimmer kleiner als in vergleichbaren Hotels. Der Ausblick ist auf einigen Zimmern ordentlich. In einigen Zimmern schaut man in triste Hinterhöfe und in einigen hat man ein wenig Blick auf die Hamburger Skyline. Die Zimmer befinden sich in einem hervorragenden Zustand und sind sehr stilvoll eingerichtet. Die Badezimmer sind im Verhältnis zum Zimmer groß und sehr schön gestaltet. Große praktische Waschtische, bodengleiche Duschen und wirklich gut riechende Pflegeprodukte sind vorhanden. Lustigerweise hatte ich an zwei von vier Aufenthalten flackernde Glühbirnen auf dem Zimmer, es gibt aber in keinem Fall den Eindruck, dass das Hotel schlecht instand gehalten sei. Die Zimmer wirken sehr sauber und das ist mit dem viel vorhandenen Chrom und den schwarzen Flächen gar nicht so einfach. In den Zimmern befinden sich ausreichend Ablagemöglichkeiten für das Gepäck. Auf den meisten Zimmern befinden sich auch schöne Möglichkeiten, Platz zu nehmen. Ich finde es erstaunlich, wie man es geschafft hat, in diesem verwinkelten Gebäude, das vermutlich schon viele Jahre auf dem Buckel hat, so stilvolle und ordentliche Zimmer einzurichten, diese instand zu halten und zu pflegen. Ich konnte in dem Hotel nur einmal frühstücken, da man in Coronazeiten nicht imstande war, für die Gäste ordentliche Alternativangebote zu machen. Der Verweis auf den gegenüberliegenden Bäcker ist praktisch, für meinen Geschmack aber bei einem Hilton Hotel nicht ausreichend. Hier ist mehr Kreativität und Mut gefragt. Andere Hilton Hotels schaffen es in dieser Zeit auch mit Roomservice-Angeboten den Gästen ein vernünftiges Angebot zu unterbreiten. Für das Abendessen gab es in Coroan Zeiten ebenfalls keinen Roomservice, allerdings eine Kooperation mit einem nahegelegenen Italiener, der wirklich leckeres Essen liefert. Sozusagen selfmade Roomservice. Da die Speisekarten bereits im Hotel ausliegen, ist dies immerhin noch ein wenig besser, als der Verweis darauf, man solle sich doch etwas bei Lieferando bestellen. Mein einziges Frühstück war aus meiner Sicht nicht ausreichend für den Anspruch eines Hilton Hotels und schon gar nicht angemessen für den Preis: Eine zu kleine Auswahl mit wenig Möglichkeiten, Wünsche zu äußern. Der imposante Frühstücksraum mit den vielen sichtbaren Nebensälen, die alle über große Holzvertäfelungen und feinste Kunstschnitzereien verfügen, konnten meine Enttäuschungen daher nicht aufheben. Den Spa- und der Fitnessbereich konnte ich aufgrund der Coronabeschränkungen nicht nutzen. Insgesamt waren meine Aufenthalte in dem Haus nie schlecht, aber auch nie begeisternd. Kleine, aber tolle Zimmer, sehr gute Sauberkeit, tolle Lobby, aber eben auch der fehlende Fokus auf die Bedürfnisse der Kunden und die schlechten Parkmöglichkeiten. Für etwa 150 € pro Nacht ohne Frühstück kann man im Hilton Reichshof Hamburg übernachten. Für touristische Besucher ist das Hotel gut gelegen, wenn man sich mit öffentlichen Verkehrsmitteln bewegt. Für Geschäftsreisende, die mit dem Auto anreisen, ist alles etwas unpraktisch konzipiert. Vielleicht kann die optisch wunderschöne Bar nach der Coronazeit meinen Gesamteindruck etwas aufhellen. Insgesamt ist dieses Hotel für Geschäftsreisende tendenziell eher unpraktisch, fasziniert aber mit einem besonderen Charme, der mich erstaunlicherweise immer wieder dazu bringt, hier noch mal übernachten zu wollen.
Hamburger Perle mit Schattenseiten