Hamburg ist eine riesige Stadt mit vielen tollen Sehenswürdigkeiten. Deshalb gibt es in Hamburg auch selten einen pauschal richtigen oder falschen Ort für eine Übernachtung. Läufer und Spaziergänger schätzen mit Sicherheit die Nähe zur Elbe oder zur Alster. Direkt an der Hamburger Außenalster befinden sich drei luxuriöse Hotels. Eins davon ist das Le Meridien, welches zum Marriott Konzern gehört. Schon von außen erkennt man den gehobenen Anspruch des Hotels durch Statuen, die den Eingang zieren. Die Lobby ist weitläufig und edel. Überall befindet sich Kunst. Der Weg vom Eingang zur gegenüberliegenden Lobby ist etwa 20 Meter lang und fühlt sich ein wenig wie ein Laufsteg an. Die Rezeptionsmitarbeiter nehmen Blickkontakt auf und begrüßen mich freundlich. Ich habe ein einfaches Zimmer für zwei Tage gebucht, da ich einige Termine in der Stadt habe und freue mich sehr als ich erfahre, dass ich „Gast des Tages“ bin. Dies verschafft mir ein kostenfreies Upgrade und ein Freigetränk an der Bar. Aufgrund der Coronaschutzmaßnahmen ist das Restaurant leider geschlossen, die Bar versorgt die Hotelgäste aber mit Kleinigkeiten. Beim Betreten der Aufzüge wird der Anspruch des Hotels nochmals verdeutlicht: Edle Materialien, angenehme Musik und ein einwandfreier Zustand unterstreichen den Anspruch ein Luxushotel zu sein. Die Hotelflure sind in einem top Zustand und ich freue mich auf mein Zimmer. Beim Öffnen der Tür fällt mein Blick sofort auf die Außenalster. Die bodentiefen Fenster und ein kleiner Mini-Balkon versprechen einen gelungenen Aufenthalt. Das große King-Size-Bett dominiert das Zimmer und sieht einladend aus. Ein ordentlicher Schreibtisch, ein schöner Sessel und ein wirklich geräumiges Badezimmer mit Badewanne und bodengleicher Dusche runden das Zimmer ab. Der Reinigungszustand des Zimmers ist tadellos: Nirgendwo kann ich auf den ersten Blick Nachlässigkeiten erkennen und freue mich über die Möglichkeit der Kaffeezubereitung, eine Flasche Wasser und einen kleinen Willkommensgruß auf dem Tisch. Insbesondere die große Dusche überrascht mich positiv. Ohne Schwierigkeiten könnte ich hier Liegestütze machen, wenngleich dies mit Sicherheit nicht der richtige Ort dafür wäre. Die schicke Badewanne in türkis werde ich wohl nicht nutzen, da ich einfach nicht gerne bade. Der Holzboden des Zimmers zeigt deutliche Abnutzungserscheinungen, ist aber noch in Ordnung. Die anderen Teile des Mobiliars und der Ausstattung sind in hervorragendem Zustand. Diverse Fragen, die ich habe, da ich zum ersten Mal in einem Le Meridien Hotel bin, werden mir von der Rezeption freundlich und kompetent beantwortet. Ich genieße bei diversen Videocalls und Telefonaten den tollen Ausblick auf die Alster und fühle mich in dem Zimmer pudelwohl. Abends habe ich noch ein wenig Hunger und gehe runter in die Bar, um eine Kleinigkeit zu essen. Die Auswahl an Speisen ist sehr eingeschränkt, was in dieser Pandemiesituation völlig verständlich ist. Bei so geringer Belegung der Hotels macht es einfach keinen Sinn groß aufzufahren. Allerdings müssen vor allem die etwas hochpreisigen Hotels belegen, dass der Preisunterschied zu einem Mercure-Hotel auch in dieser Zeit gerechtfertigt ist. Bei meinem panierten Fleisch mit Reis und asiatischer Soße gelingt dies leider nicht besonders gut. Die Soße ist mit einer Wahrscheinlichkeit von 99,9% ein Fertigprodukt, die Panade verlässt das Fleisch freiwillig und der Reis ist langweilig und matschig. Für 15 € kann man mehr erwarten, vor allem aber sollte ein hochpreisiges Hotel auch in schwierigen Zeiten einen bestimmten Standard nicht verlassen. Der Espresso und der Service sind dafür ganz hervorragend. Die Bar werde ich am folgenden Abend nochmals besuchen und dort einen Teller Nudeln mit Hähnchenfleisch essen, der noch weniger zum Anspruch des Hauses passt. Das Frühstück findet auf der neunten Etage im eigentlichen Restaurant statt. Dieser Raum ist eine Sensation: Große Fenster geben einen unfassbar schönen Blick über Hamburg frei. Die Einrichtung ist stilvoll und ich kann mir bildlich vorstellen, wie man abends bei einem leckeren Abendessen hier zusammensitzt. Beim Frühstück in Coronazeiten ist die Situation ein wenig anders. Mit Bodenmarkierung, Handdesinfektionsspender und Masken will nicht so richtig Flair aufkommen. Die Auswahl des Frühstücks ist sehr überschaubar, die Qualität der Speisen aber wirklich gut. Insbesondere das Bircher Müsli überrascht mich. Einen Pfannkuchen zubereiten kann man leider nicht. Die lustige Erklärung eines Mitarbeiters lautet, dass, wenn ich jetzt einen Pfannkuchen bekäme, andere Gäste vielleicht auch noch etwas haben wollen würden und dies würde die Küche dann nicht mehr schaffen. Also verzichte ich solidarisch mit den anderen Gästen auf einen Pfannkuchen und ärgere mich ein wenig darüber. Ich hatte schon darüber nachgedacht, ob das Le Meridien mein neues Lieblingshotel in Hamburg ist. In dieser Preisklasse kannte ich bis jetzt nur das Sofitel, das Radisson und das Hilton Reichshof, wobei das Sofitel mein Favorit in Hamburg bleibt: Die angebotenen gastronomischen Möglichkeiten passen einfach besser ins Gesamtkonzept als in diesem Haus. Mein Fazit: Das Le Meridien in Hamburg ist ein unfassbar schönes Hotel mit einem tollen Restaurant, einer außergewöhnlich schönen Lobby und mit stilvollen Zimmern. Die Servicequalität empfand ich als fast durchgehend sehr gut mit nur einer kleinen Ausnahme. Das gastronomische Angebot war leider unterhalb des Anspruchs des Hotels. Vielleicht ist das außerhalb der Coronazeit anders. Ich werde das bei Gelegenheit noch einmal versuchen. Eine Übernachtung im Le Meridien gibt es in der Regel ab etwa 130 € pro Nacht zuzüglich 36 € für die Tiefgarage.
Eine Perle an der Alster