Das Garden Inn by Hilton befindet sich zwischen der Porsche Arena und dem Fußballstadion des VfB Stuttgart. Ein moderner Bau, aus dem der Zugang zu beiden Spielstätten möglich ist. Von außen sieht das Hotel so aus, als wäre es erst vor wenigen Monaten fertig gestellt worden. Die Lobby wirkt relativ klein und wenig spektakulär. Sie ist durchaus modern eingerichtet, wirkt aber auf den ersten Blick ein wenig lieblos gestaltet. Mein Empfang im Hotel war sehr freundlich, auch wenn vom Gefühl her ein wenig die Routine der Mitarbeiter fehlte. Ich kann mir vorstellen, dass im Zuge der Coronapandemie ein wenig die Übung verloren gegangen ist. Mein Zimmer befindet sich im VIP Bereich des Hotels, den man nach Durchquerung des Restaurants im dritten Obergeschoss erreicht. Beim Betreten meines Zimmers bin ich sowohl positiv als auch negativ überrascht: Neben meinem Badezimmer befindet sich eine Sauna. Wirklich eine Sauna die ich für mich ganz alleine nutzen kann. Was für ein Fest in dieser Coronapandemie, in der die Zugänge zu öffentlichen Saunen oder Hotelsaunen derzeit geschlossen sind. Für eine Junior Suite ist das Zimmer andererseits aber relativ klein. Der Arbeitsbereich ist sehr schlicht, wenn nicht sogar lieblos eingerichtet. Ein Tisch, ein Stuhl und fertig. Dafür finde ich einen schönen roten Sessel am Fußende des Bettes, bei dem ich mir aber die Frage stelle, welchen Zweck er hat. Zum Lesen am Abend fehlt die Beleuchtungsquelle, auch ein Beistelltisch, auf dem man ein Buch ablegen oder eine Tasse Tee hinstellen könnte fehlt. Ich mache mich auf die Suche nach dem nicht sichtbaren Wasserkocher bzw. der Kaffeemaschine und kann zu meinem Entsetzen leider keine finden. Ich rufe die Rezeption an und frage nach wo mein Wasserkocher versteckt ist. Am anderen Ende der Leitung ist ein junger freundlicher Mann, der mir mitteilt, dass aufgrund der Coronapandemie alle Wasserkocher von den Zimmern entfernt worden seien. Auf meine Frage, was denn die Wasserkocher mit der Übertragung des Coronavirus zu tun hätten, hat er leider keine passende Antwort. Er teilt mir aber mit, dass ich mir jederzeit in der Lobby Kaffee holen könne. Ich wiederum teile mit, dass dies für den heutigen Tag eine akzeptable Option sei, für den nächsten Morgen sei diese Option aber völlig ausgeschlossen. Ein wenig Nervosität macht sich am anderen Ende der Leitung breit, da ich augenscheinlich nicht bereit bin, auf meine Morgenroutine zu verzichten. Der freundliche Herr bietet eine an, einen Wasserkocher zu beschaffen und mir diesen in der nächsten halben Stunde auf das Zimmer zu bringen. Dies funktioniert auch ganz hervorragend und ich bin froh den nächsten Morgen überleben zu können. Nach meiner Laufrunde gehe ich zurück ins Hotel und schalte die Sauna ein. Tatsächlich ist sie nach wenigen Minuten bereits bei 80 Grad Celsius und bietet damit eine ordentliche Temperatur an. Ich genieße die Sauna sehr und fühle mich ein bisschen wie ein kleiner König. Leider stelle ich beim Duschen fest, dass ich in meiner Dusche noch das Shampoo des Vorgängers befindet. Ein Fauxpas des Reinigungspersonals, der nicht unbedingt bedeuten muss, dass mein Bad gar nicht gereinigt wurde, der aber in jedem Fall belegt, dass es nicht gründlich gereinigt wurde. Ich bin etwas verärgert, finde mich aber aufgrund der mangelnden Kleidung mit der Situation ab und nutze die Dusche natürlich trotzdem weiter. Ich freue mich auf den Moment des Auscheckens, wenn ich danach gefragt werde, wie mein Aufenthalt war und ich diese Reklamation loswerden kann: Überall im Hotel Plakate über Hygiene und Sauberkeit aufzuhängen und dann die Badezimmer nicht ordentlich zu reinigen, passt aus meiner Sicht nur schlecht zusammen. Ich genieße die Nacht in der Junior Suite und schlafe in dem für mich etwas zu harten Bett auch ordentlich. Ich habe das Zimmer mit Frühstück gebucht und betrete voller Freude am nächsten Morgen den Frühstücksraum, der sich im Restaurant befindet. Das Buffet sieht auf den ersten Blick etwas mickrig aus, aber ich werde zumindest von einer Dame angesprochen, ob ich gerne eine Eierspeise hätte. Ich frage nach, ob es die Möglichkeit gibt, einen Pfannekuchen zu bekommen, was sie leider verneint. Kurze Zeit später sehe ich den Koch zum Buffet gehen, um nachzufüllen. Ich ergreife die Gelegenheit und spreche ihn umgehend an, ob er die Möglichkeit sieht, mir einen einfachen Pfannekuchen zu zaubern. Auf die Mitteilung, dass er zwar Teig da habe, aber Pfannekuchen derzeit nicht angeboten werden, kann ich leider nur mit Kopfschütteln reagieren. Mit 17 € ist das Frühstück nicht außergewöhnlich teuer, dafür ist das Buffet aber außergewöhnlich knapp bestückt, mit relativ wenig Auswahlmöglichkeiten und Speisen in mittelmäßiger Qualität. Dass bei Vorhandensein von Zutaten und einem Koch die Zubereitung eines Pfannekuchens nicht möglich ist, halte ich bei einer Übernachtung in dieser Preisklasse schon fast für eine Unverschämtheit. Immer mehr überkommt mich das Gefühl, dass innerhalb der Hilton Gruppe die Zeit gekommen ist, den Kunden wieder besser zuzuhören. Getaktete und standardisierte Abläufe haben mit Sicherheit an vielen Stellen eine gute Funktion, manchmal führen sie aber auch dazu, dass Mitarbeiter ohne Entscheidungskompetenzen für Verärgerung bei Kunden sorgen. Das muss nicht sein und geht besser. Ich werde meine Kritikpunkte in der Regel ja gerne bei der Abreise los, aber ich teile niemals unaufgefordert mit, wenn etwas nicht zu meiner Zufriedenheit war. Leider werde ich beim Check-out nicht danach gefragt, wie mein Aufenthalt war oder ob alles zu meiner Zufriedenheit gewesen sei. Für mich der größte Servicecrash in Hotels: Fragt beim Check-out, ob alles gut war. Immer noch unterschätzen anscheinend viele Empfangschef oder Hoteldirektorin die Smartphones, die fast umgehend nach dem Verlassen des Hotels fragen, ob man eine Bewertung abgeben möchte. Wenn ich den Frust soeben losgeworden bin, verzichte ich in der Regel darauf. Wenn sich niemand für meine Reklamation interessiert, ist die Versuchung groß, diese über Google mitzuteilen. Ich verlasse das Garten Inn by Hilton in Stuttgart mit gemischten Gefühlen: Das Zimmer war ordentlich, aber nicht überragend, die Sauna im Zimmer ist ein Erlebnis, das Frühstück eine Frechheit und der Service ausbaufähig. Die Zimmerpreise für einfache Zimmer, die natürlich nicht über eine Sauna verfügen, beginnen bei 80 €. In Messezeiten, bei großen Fußballspielen oder Tennisturnieren vermute ich den doppelten Preis. Die Junior-Suite kostete inklusive Frühstück und Parken 200 € für eine Nacht.
Sauna im Zimmer und Frühstück wie in der Jugendherberge