In den letzten Jahren ist in Hamburg ein völlig neuer Stadtteil entstanden: HafenCity. Direkt zwischen Speicherstadt und Elbe gelegen sind massenweise mehr oder weniger spektakuläre Bauten entstanden. Auch die berühmte Elbphilharmonie hat hier ihren Platz gefunden. Neben dem noch nicht getesteten Westin in der Elbphilharmonie ist unter anderem ein Holiday Inn und das von mir besuchte 25hours Hotel HafenCity entstanden. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist HafenCity gut erreichbar, von der Autobahn mit dem PKW grundsätzlich auch, jedoch wird derzeit dort noch viel gebaut und die Verkehrssituation wird vermutlich erst in zwei Jahren abschließend gelöst sein. Bei meinen letzten Fahrten in die HafenCity habe ich fast immer einen anderen Anfahrtsweg nehmen müssen. Das Hotel verfügt über Tiefgaragenstellplätze, die in HafenCity auch unbedingt notwendig sind. Das Parken auf der Straße ist hier fast unmöglich. Lustigerweise scheinen die meisten 25hours Hotels keine eigenen Tiefgaragen zu haben, schon in Köln oder Frankfurt sind nur Teilbereiche von Tiefgaragen oder Parkplätzen für das Hotel reserviert. Dies kann bei hoher Belegung – und erstaunlicherweise war das auch in Coronazeiten in Hamburg der Fall – zu Engpässen führen. Mein Kollege musste auf ein weiteres Untergeschoss ausweichen. Dies ist aber nur ein kleines Comfortproblem und stellt Außendienstler selten vor große Herausforderungen. Bei 25hours Hotels ist es erfreulich, dass die Hotels sich kaum gleichen. Die Hotels sind jeweils Themenhäuser, die unterschiedliche Schwerpunkte aufgreifen. In Hamburg macht das Thema Hafen und Schiff natürlich Sinn. Das ganze Hotel hat daher einen maritimen Charakter und man fühlt sich zwischenzeitlich ein wenig wie auf einem Dampfer. Wenn man durch die Tiefgarage das Hotel betritt, erkennt man die gelben Bodenmarkierungen, die auf Schiffen üblich sind. Die Türen zu den Personalräumen sind nicht mit „staff only“ gekennzeichnet, sondern mit „crew members“ und selbst die Toilette im Untergeschoss bietet bereits ein spektakuläres Erlebnis: Das Waschbecken in der Herrentoilette ist in ein großes Rohr eingebettet, was die Bedienung zwar nicht einfach macht aber dafür wirklich eine tolle Idee ist. Mit einem Aufzug, der an einen Lastenaufzug oder ein Container erinnert, geht es dann in die Lobby. Die Lobby ist nicht beeindruckend groß. Aber sie ist liebevoll gestaltet und hat, wie bei 25five hours üblich, einen kleinen integrierten Shop, in dem es viele hübsche Sachen, die kein Mensch braucht, zu kaufen gibt. Andenken und Mitbringsel von der Reise findet man hier aber in Hülle und Fülle. Der Check-In ist freundlich und sehr professionell. Die Duzerei bei 25hours war aber für meinen Kollegen etwas merkwürdig. Als Engländer, der vermutlich bei dem Erlernen der deutschen Sprache jahrelang mit „du und sie“ kämpfen musste, ist es dann doch ungewöhnlich, wenn sich das Duzen auf einmal auch in Deutschland ausbreitet. Ich hatte als Platinmember ein Upgrade von einem L- auf ein XL-Zimmer erhalten, die höchste Kategorie im Hotel. Mein Kollege wurde von einem Standardzimmer auf ein L-Zimmer upgegradet. Das von mir genutzte XL Zimmer war relativ groß und verfügte neben einem stylischen Schreibtisch über ein schönes Kingsize Bett mit einer Holzvertäfelung. Ein wenig oldschool, aber trotzdem irgendwie schön anzusehen. Im Zimmer befand sich ein Sessel mit einem kleinen Tisch, der leider nicht so positioniert war, dass man auf die Elbe oder auf den Kanal blicken konnte. Durch mein Eckzimmer hatte ich nämlich den spektakulären Ausblick durch bodentiefe Fenster auf beides: Den Kanal, der in die Elbe mündet und auf die Elbe, wobei hier der Blick von der gigantischen Baustelle direkt auf der gegenüberliegenden Straßenseite gestört wurde. Ob der Blick auf die Elbe in einigen Jahren noch da ist, kann ich jetzt noch nicht beurteilen. Ich vermute aber, dass vor allem die unteren Etagen in Zukunft eher auf das gegenüberstehende Gebäude schauen werden, als auf die Elbe. Die Möglichkeit des Blickes auf die Elbe wird durch den Bau sozusagen genommen. Heute ist der Ausblick aber wirklich schön, vor allem wenn man sich für Baustellen interessiert. Aus der siebten Etage blickt man von oben auf eine gigantische Großbaustelle und kann das große Ballett aus Kränen bei der Arbeit beobachten. Über die Zubereitungsmöglichkeiten für Tee habe ich mich sehr gefreut, vor allem, weil wirklich leckere Sorten in Probiergröße bereitstanden. Den auf dem Zimmer probierten Tee kann man auch unten im Shop käuflich erwerben. Dazu gibt es eine Nespresso-Kaffeemaschine, die soliden Kaffeegenuss verspricht. Das Badezimmer ist relativ klein und anscheinend in 25hours Hotels immer relativ dunkel konzipiert. Es ist irgendwie schick, aber vielleicht auch ein bisschen langweilig und düster. Sicher ist die Gestaltung des Badezimmers auch eine Frage des Geschmacks. Ich glaube, man kann es wirklich schöner machen. Das Hotel ist noch nicht alt, daher befinden sich Möbel, Teppiche und Badezimmer in einem guten Zustand. Die Pflegeprodukte im Badezimmer empfinde ich als irgendwie gut riechend – ein wenig altbackend riechen sie aber schon. Schade finde ich, dass hier Großeinheiten aufgehängt und angeboten werden. Ich finde die kleinen Testfläschchen hygienischer. Ob Umweltschutzgründe oder sich an allem bedienende Hotelgäste hier für eine Rolle gespielt haben, weiß ich nicht genau. Das gesamte Zimmer wirkt sehr gut gereinigt, auch im Badezimmer kann ich keine sofort erkennbaren Nachlässigkeiten feststellen. Durch die Gestaltung der 25hours Hotel glaube ich, dass die Reinigungskräfte hier wirklich viel zu tun haben. Im Zimmer befindet sich auch eine kleine Auswahl an Büchern und dem 25hours Kuscheltier. Kuschelt wirklich jemand mit einem hoteleigenen Kuscheltier, das im Zimmer liegt? Ich habe da meine Zweifel. Wenn ich an meine Frau denke, gehe ich fest davon aus, dass sie meinen Kindern untersagen würde mit einem fremden Kuscheltier zu kuscheln. Aber vielleicht ist es für das ein oder andere Kind auch die Erlösung, wenn das eigene Kuscheltier zu Hause vergessen wurde. Nach meinen intensiven Gedanken über das Thema Fremdkuscheln möchte ich noch darauf hinweisen, dass viele lustige Details im Zimmer untergebracht sind: Die kleinen Zierkissen mit der Aufschrift „let’s spend the night together“, die lustige Tapete mit Seemannssprüche und Bildern aus der ganzen Welt oder die Leseecke, die zwar nicht viele, aber dafür einige spannende Bücher enthält, die das Durchblättern durchaus lohnenswert machen. Die stylische Bar im Erdgeschoss bietet eine außergewöhnliche Küche an. Es sind viele israelische Gerichte dabei, die durchaus einmal für Abwechslung im immer grauer werden Restaurantalltag bieten. Der Service ist ordentlich, das Essen ist gut und es kommt ein wenig Seemannsatmosphäre auf. Kulinarische Hochgenüsse sind in dem Preissegment nicht zu erwarten, müssen sie aber auch nicht. Das Frühstück, das morgens im Restaurant angeboten wird, ist in der Auswahl überschaubar, aber es ist alles da, was man so braucht. Die Speisen wirken von guter Qualität, das Rührei schmeckt zumindest nach Angaben des Kollegens überragend. Die von mir so geliebten Pfannekuchen stehen leider nicht auf dem Programm und können mir auch auf Nachfrage nicht angeboten werden. Dies bedeutet nicht den Untergang des Abendlandes und versaut mir auch nicht den Tag, schön wäre es trotzdem gewesen, wenngleich ich mit dem Frühstück im Großen und Ganzen wirklich zufrieden bin. Das 25hours Hotel in Hamburg ist kein Schnäppchen, aber es ist ein außergewöhnliches Hotel, das den Besuch durchaus lohnenswert macht. Die Zimmerpreise unterscheiden sich in den Kategorien stark. Das Standardzimmer ist in der Regel ab 90 € ohne Frühstück und Tiefgarage zu haben. Mit Frühstück und Tiefgarage sind es dann eher 125 €. Dieser Preis ist nicht ganz günstig, eine Übernachtung in Hamburg ist aber grundsätzlich nicht besonders günstig. Die Lage, die Modernität und das außergewöhnliche Konzept machen den Preis aber legitim. Wer ein wenig mehr will und ein XL-Zimmer mit Frühstück Bucht, muss preislich etwa 180 € in Kauf nehmen. Dafür erhält man dabei auch ein geräumiges und außergewöhnliches Zimmer mit einem schönen Blick.
Ahoi und Moin Moin in urbanem Gewand