Das Hilton Hotel in Düsseldorf befindet sich etwa zwei Kilometer von der Innenstadt entfernt, auf dem Weg vom Flughafen in die Stadt fährt man dort vorbei. Vom Hauptbahnhof aus ist das Hotel mit der S Bahn zu erreichen. Die Anreise mit dem Auto gestaltet sich unproblematisch, jedoch beschleicht mich bei der Einfahrt in die Tiefgarage ein beklemmendes Gefühl: Als einziges Fahrzeug in einer riesigen Tiefgarage entsteht eine merkwürdige Szenerie: Die veraltete und heruntergekommene Tiefgarage eignet sich perfekt für den Dreh eines Psychothrillers oder Horrorfilms. Glücklicherweise gibt es heute keine besonderen Vorkommnisse und ich kann den etwa 80 Meter langen Weg antreten, ohne von Zombies oder brutalen Bandenmitgliedern verfolgt zu werden. Völlig ungefährdet erreiche ich den Eingang zum Hotel. Die Lobby ist dann typisch Hilton: Groß, elegant und hochwertig eingerichtet. Das Check Inn ist wundervoll herzlich und freundlich. Ich empfinde es immer als ein tolles Erlebnis, wenn die Ankunft im Hotel so beginnt. Die Strapazen der Anreise sind wie weggepustet und man freut sich über die freundliche Begrüßung.
Mit dem Fahrstuhl geht es auf die 10. Etage, die, wie die 11. und 12. Etage, ein sogenannter „Executive Floor“ ist. Sie sind also vermutlich die schönsten Zimmer und Sweeten, sowie die Hilton „Executive-Lounge“. Diese Lounge ist Mitgliedern von Hilton Honors mit Diamond Status vorbehalten, die sich dort bei Snacks und Getränken aufhalten dürfen.
Mein Zimmer ist ein „Executive-Zimmer“ und wirkt groß. Mein erster Blick fällt auf einen Arbeitsplatz, der seinen Namen auch verdient, da der Schreibtisch eine gewisse Größe hat und sogar über einen gutaussehenden Bürostuhl verfügt.
Sofort fällt mir eine Unregelmäßigkeit am Kopfteil des Bettes auf. Aus dem grauen Bezug ist ein Stück herausgekratzt worden, zumindest sieht es danach aus. Diese Augenblicke finde ich immer sehr merkwürdig: Man befindet sich in einem großen Zimmer mit vielen Eindrücken, die das Gehirn zu verarbeiten hat und sofort erkennt man fehlende Symmetrien, Unregelmäßigkeiten oder, wie in meinem Fall, Defekte. Ich schaue mir diesen Makel an und komme auf dumme Gedanken: Wurde hier 50 Shades gedreht? Hat eine japanische Killerin, die ihre Messer in der Frisur versteckt sich auf dieses Bett geworfen? Was auch immer es war: In einem 5 Sterne Hotel sollte so etwas nicht akzeptiert werden. Die Reinigungskräfte oder die Hausdame müssten diesen Makel doch auch gesehen haben….
Ich frage mich dann immer, was nach so einer Fehlermeldung passiert. Wird das sofort instandgesetzt? Wird das Zimmer nach Möglichkeit nicht vermietet? Wird es irgendwie kaschiert? In meinem Fall gilt für alle diese Fragen ein klares: NEIN. Das Hotel war während meines Aufenthaltes fast leer. Warum bekomme ich dieses Zimmer? Wissen die am Empfang etwa nichts davon? Nun gut, ich werde daran nicht sterben und so nehme ich den Makel in Kauf.
Das King Size Bett ist ansonsten schön angerichtet. Das Mobiliar sieht in der Form- und Farbgebung aus wie aus den späten 80er Jahren, bis auf das zerkratzte Bett kann ich keine weiteren Defekte feststellen. Das Zimmer hat durchaus etwas Schönes, wirkt aber wie aus einer anderen Zeit.
Es gibt eine Kaffeemaschine von Lavazza, die für den kommenden Morgen zumindest einen guten Kaffee sicherstellt.
Das Badezimmer ist klein. Sehr klein sogar, vor allem für ein Hotelzimmer dieser Kategorie. Als Einzelreisender reicht das aus, aber bei zwei Personen wäre eine gleichzeitige Nutzung unmöglich.
Die Sauberkeit lässt keine Wünsche offen.
Das Frühstücksbuffet am frühen Morgen ist eine Enttäuschung. Trotz Coronapandemie gibt es ein Buffet, das man sich auch hätte sparen können. Als einziger Gast sitze ich in dem riesigen Frühstücksraum und bediene mich am Buffet. Ein á la Carte Service würde vermutlich 90% der angebotenen Lebensmittel am Buffet retten. Ein Pfannekuchen zu servieren ist der Küche nicht möglich, das enttäuscht in dieser Kategorie. 5 Sterne stehen auf dem Schild an der Tür. Das Frühstücksbuffet erinnert aber eher an ein Mercure Hotel. Dafür finde ich auf dem Weg in mein Zimmer einen Geldautomaten in einer Ecke der Lobby. Das habe ich noch nie gesehen.
Mein Aufenthalt neigt sich dem Ende und ich bin ein wenig hin und hergerissen. Das Parkhaus ist eine Katastrophe, die Lobby ist toll. Der Empfang war super, das Frühstück nicht. Das Hotel ist nicht schlecht, aber so richtig gut ist es auch nicht. Bei meinem nächsten Aufenthalt in Düsseldorf werde ich mit hoher Wahrscheinlichkeit woanders einchecken. Ich hoffe, dass ich beim Check-Out die Frage der Fragen gestellt bekomme: Waren Sie mit Ihrem Aufenthalt zufrieden? Aber, nachdem mich die Mitarbeiterin beim Check-Inn so toll willkommen geheißen hat, macht es die Dame beim Check-Out anders: Sie fragt einfach nur, ob die hinterlegte Kreditkarte belastet werden soll.
Das ärgert mich dann doch und mein Resümee kippt ins Negative. Gerne hätte ich meine Kritik geäußert, doch daran schien leider kein Interesse zu bestehen.