Übernachten in schwierigem Terrain

Das Bahnhofsviertel in Frankfurt mit der Kaiserstraße und ihre Nebenstraßen ist berüchtigt: Prostitution, Drogen und Obdachlosigkeit beherrschen seit Jahren das Straßenbild. Kurioserweise ist in einer Nebenstraße vor einigen Jahren einen Bauprojekt ausgeführt worden, das neben Wohnungen auch ein neues Garden Inn von Hilton hervorbrachte. Nun gibt es ein Hilton Hotel inmitten dieser kuriosen Szene. Wer mit dem Auto zum Hotel anreist, stellt bei seiner Anreise fest, dass er sich auf schwierigem Terrain befindet. Bei der Vorfahrt zur Tiefgarage öffnet sich, wie bei einer Bank oder einer militärischen Einrichtung, eine Schleuse, in die man einfahren muss. Danach schließt sich das Tor hinter dem Fahrzeug und erst daraufhin wird die eigentliche Zufahrt zu Tiefgarage freigegeben. Nach der Einfahrt befindet man sich also in einer „Hochsicherheits- Tiefgarage“ die einen nach mehreren Abfahrten dann auch zum Hotel-Parkbereich bringt. Die Lobby ist nicht riesig, sie ist aber großzügig und wirklich schön gestaltet. Auch hier erkennt man an der doppelten Tür, das erweiterte Sicherheitsmaßnahmen vorgenommen werden mussten. Dies ist auch für mich, beruflich bin ich im Sicherheitsbereich tätig, ein merkwürdiges Gefühl. Der Empfang war bei allen meinen Aufenthalten im Hotel immer sehr freundlich und zuvorkommend. Mit dem Fahrstuhl geht es dann in eins der fünf Stockwerke. Hierbei gibt es zwei verschiedene Fahrstühle zur Auswahl, der gläserne Fahrstuhl mit Blick auf die Straße gehört zu den langsamsten Fahrstühlen, die ich je in meinem Leben kennengelernt habe. Dafür hat man genug Zeit, ein Blick auf die Frankfurter Skyline zu werfen. Die Zimmer sind modern und in einem sehr guten Zustand. Einen schönen Ausblick kann man leider nicht erwarten, da meine Reisen in der Regel auf das Geschäftliche beschränkt sind, ist das für mich aber kein Weltuntergang. Bei vier von fünf Aufenthalten hatte ich mit dem Thema Sauberkeit keine Schwierigkeiten. Hier waren meine Zimmer stets hervorragend gereinigt. Nur bei einem Aufenthalt gab es meinerseits eine Unzufriedenheit, die ich umgehend telefonisch bemängelte und mir wurde anstandslos ein anderes Zimmer zugewiesen. Auf den Zimmern befindet sich ein Wasserkocher mit denen die Zubereitung eines Tees oder Kaffees möglich ist. Im Untergeschoss gibt es einen Fitnessbereich, der sehr großzügig geschnitten ist und über ausreichend Trainingsgeräte verfügt, auch wenn mehrere Gäste gleichzeitig trainieren möchten. Das Frühstück ist eher durchschnittlich. Die Auswahl ist nicht besonders groß und die Qualität der Speisen passt nicht zum Namen Hilton. Sie sind nicht schlecht oder mangelhaft, sie sind aber auch nicht überragend und schon gar nicht begeisternd. Unangenehm aufgestoßen ist mir die Qualität des Frühstücks in der Coronazeit. Ich habe hier durchaus Verständnis, wenn Hotels kein oder nur ein sehr reduziertes Frühstück anbieten und dies vorher klar und deutlich kommunizieren. Für den normalen Preis dann aber nur die Hälfte von dem ohnehin schon nicht üppigen Frühstück aufzutischen empfinde ich als unangebracht. Am unangenehmsten ist mir das Frühstück bei meinem letzten Aufenthalt dort aufallen. Mit so gut wie keiner Auswahl, mangelnder Flexibilität bei besonderen Wünschen und einem schlecht angerichteten Buffet, tut dieses Frühstück dem Namen Hilton nicht gut. Nun kann man sicherlich sagen, dass ein Garden Inn Hilton – genauso wenig wie ein Hampton by Hilton – kein Hilton Hotel ist. Wenn eine Marke, sich aber so positioniert, dass der Name Symbol für Luxus ist, dann ist die Differenzierung zwischen den einzelnen Untermarken für viele Gäste schlecht möglich und führt zwangsläufig dazu, dass man nicht mehr einsieht für ein Hilton Hotel 200€ für eine Nacht auszugeben. Mit diesem Problem steht Hilton relativ allein da, da andere Hotelketten ihren Low-Budget Serien andere Namen verpasst haben, die nur Kennern der Marken Verbindungen eröffnen. Die Schwierigkeit der Markenpositionierung ergibt sich immer dann, wenn man mit einem Markennamen ein möglichst breites Spektrum abbilden möchte. Bitter gelernt hat das Mercedes mit seiner A-Klasse. Andere Luxusmarken, zum Beispiel aus dem Bekleidungsegment, verzichten vorsätzlich darauf, auch mit ihrem guten Namen Low Budget Produkte anzubieten. Dies tun sie in dem Wissen, dass die Erwartungshaltung an die „low budget“ Produkte zu hoch wäre oder das Renommee der Hauptmarke beschädigt werden würde. Ob sich Hilton mit der Hampton & Garden inn Serie also einen großen Gefallen getan hat, wird die Zeit zeigen. Da ist mir die Lösung von Radisson beispielsweise deutlich lieber: Radisson Hotels haben 4 oder 5 Sterne, erstklassige Ausstattung und ein umfangreiches Frühstück. Etwas da drunter positioniert sind die Park inn Hotels, die einen Tick günstiger sind und mit ihrem Namen nicht auf Radisson verweisen, sondern als eigene Marke fungieren. Nach diesem Exkurs zur Markenpositionierung mein Fazit zum Garden Inn Frankfurt: Schöne Zimmer, freundliche Mitarbeiter, mittelmäßiges Frühstück und katastrophale Lage. Die Preise für eine Übernachtung betragen außerhalb der Messezeiten etwa 100€ für ein Standardzimmer.

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